Wie ein Hersteller sein digitales Wachstum mit proaktiver Digitalisierung beherrschbar machte
Eine Apple-ID für den App Store, die Cloud und die Musik. Ein Microsoft-Konto für E-Mail, Teams und Office. Wir finden es selbstverständlich, dass ein einziger Zugang uns die Tür zu Dutzenden Diensten öffnet.
Im B2B-Alltag eines mittelständischen Herstellers sieht die Realität oft anders aus. Ein Login für den Webshop, ein zweiter für das Kundenportal, ein dritter für die App. Dazu Daten, die in jedem System ein bisschen anders aussehen. Und ein Innendienst, der Fragen beantwortet, die sich der Kunde eigentlich selbst beantworten könnte.
Gemeinsam mit unserem Partner Lunaris Digital Solutions begleiten wir einen international tätigen Hersteller hochwertiger Beleuchtungslösungen, der genau diese Entwicklung kommen sah und sich entschied, ihr zuvorzukommen. In diesem Artikel erzählen wir, welches Problem dahinterstand, wie wir es gemeinsam gelöst haben und was wir dabei gelernt haben.
Das eigentliche Problem war noch gar nicht da
Das Unternehmen wuchs digital. Zum Webshop kamen ein Portal für Geschäftskunden, eine mobile App zur Steuerung vernetzter Leuchten, ein 3D-Konfigurator, Anwendungen für Vertrieb und Angebote sowie interne Verwaltungstools. Jede einzelne Anwendung war sinnvoll. Zusammen bargen sie ein Risiko.
Denn jede neue Anwendung braucht dasselbe: eine Anmeldung, Benutzerrechte, Zugriff auf Produkte, Preise und Bestellungen – und damit eine Verbindung zum ERP-System. Wird das jedes Mal neu gebaut, entstehen schleichend parallele Welten. Geschäftsregeln werden an fünf Stellen gepflegt und an fünf Stellen unterschiedlich ausgelegt. Kunden registrieren sich mehrfach und verwalten mehrere Passwörter. Jede Änderung wird teurer, jede neue Idee langsamer.
Das große Geschäftsproblem lautete also nicht „Wir brauchen ein Portal“. Es lautete: Wie wachsen wir digital, ohne dass jeder weitere Schritt mehr kostet als der vorherige?
Hinzu kam eine zweite Frage. Die Kunden des Herstellers sind langjährige Geschäftspartner, oft ganze Organisationen mit Einkäufern, Technikern und Projektleitern. Für einfache Auskünfte – Wo ist meine Bestellung? Welches Ersatzteil passt? – griffen sie zum Telefon. Ein klassischer Webshop hätte daran wenig geändert.
Das Bemerkenswerte: Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine akute Krise. Die Systeme funktionierten. Doch die Richtung war klar erkennbar. Und das Unternehmen entschied, nicht abzuwarten, bis aus einem Risiko ein Problem wird.
Unsere Lösung: erst das Fundament, dann die Anwendungen
Statt jede Anwendung einzeln zu bauen und später mühsam miteinander zu verknüpfen, haben wir gemeinsam mit Lunaris und dem Kunden den umgekehrten Weg gewählt. Zuerst entstand ein gemeinsames Fundament. Erst darauf wurden die Anwendungen aufgesetzt.
Dieses Fundament besteht aus zwei Bausteinen.
Eine zentrale Cloud-Plattform als Rückgrat. Sie ist der eine Ort, an dem die Geschäftslogik lebt: Produkte, Ersatzteile, Kunden, Teams, Bestellungen. Gleichzeitig ist sie die kontrollierte Brücke zwischen der Außenwelt – Webshop, Portal, Apps – und den internen Systemen wie dem ERP. Keine Anwendung greift mehr direkt auf das ERP zu. Alle sprechen mit der Plattform, und die Plattform achtet darauf, dass die Regeln eingehalten werden.
Eine digitale Identität für alle Anwendungen. Nach dem Vorbild von Apple und Microsoft erhielt jeder Kunde eine einzige ID für sämtliche digitalen Services. Anmeldung, Rollen, Rechte und Zustimmungen zu AGB und Datenschutz werden an einer Stelle verwaltet. Heute nutzen mehr als 15 Anwendungen diese gemeinsame Identität.
Auf diesem Fundament entstand dann zum Beispiel das Kundenportal: ein digitaler Vertriebskanal, der das bestehende Geschäft über Partner und Distributoren ergänzt. Kundenorganisationen verwalten dort ihre Teams selbst, sehen ihre Anfragen, Angebote, Bestellungen und Kontoauszüge und lösen Bestellungen eigenständig aus.
Technisch setzt die Lösung auf Microsoft Azure und .NET, modular aufgebaut, sodass neue Bereiche ergänzt werden können, ohne Bestehendes anzufassen. Organisatorisch arbeitet ein vollständig remote aufgestelltes, agiles Team: Der Kunde stellt den Product Owner, das Team aus Lunaris und ICodeFactory übernimmt Entwicklung, Testing und auch den laufenden Betrieb der Plattform.
Was heute möglich ist, das vorher nicht ging
Der wichtigste Unterschied lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Neue digitale Ideen starten nicht mehr bei null.
Will das Unternehmen heute eine neue Anwendung einführen, sind Anmeldung, Benutzerrechte, Produktdaten und die Anbindung an das ERP bereits vorhanden. Das Team konzentriert sich auf das, was die neue Anwendung tatsächlich einzigartig macht. Der Rest wird einfach genutzt.
Konkret kann das Unternehmen heute:
- Interne Daten sicher nach außen öffnen. Webshop, Apps und Cloud-Anwendungen können gezielt auf Informationen aus den internen Systemen zugreifen – etwa Konstruktionsdaten anzeigen oder Bestellungen direkt im ERP auslösen. Immer unter Einhaltung der dort definierten Geschäftsregeln.
- Änderungen an einer einzigen Stelle vornehmen. Eine geänderte Geschäftsregel gilt sofort für alle Anwendungen. Widersprüchliche Daten zwischen Systemen gehören der Vergangenheit an.
- Exklusive Inhalte gezielt freigeben. Langjährige Kunden und Partnerfirmen sehen Produkte und Informationen, die nicht öffentlich zugänglich sind – gesteuert über eine einzige, zentrale Rechteverwaltung.
- Rechtliche Anforderungen nachweisbar erfüllen. Zustimmungen zu AGB und Datenschutzbestimmungen werden systematisch und versioniert dokumentiert.
Und vielleicht am wichtigsten: Das Unternehmen hat einen digitalen Vertriebskanal zu seinen Bestandskunden aufgebaut, ohne das bewährte Partnermodell zu gefährden.
Der Mehrwert für das Unternehmen und für seine Kunden
Für die Kunden des Herstellers ist der Unterschied unmittelbar spürbar. Ein Login für alles. Eine einheitliche Oberfläche, in mehreren Sprachen und auf jedem Endgerät. Wer ein Ersatz- oder Alternativteil sucht, findet die passende Information direkt im Portal, statt beim Innendienst anzurufen. Wer ein neues Teammitglied hat, legt es selbst an und vergibt die passenden Rechte.
Das Ergebnis zeigt sich auch auf der anderen Seite. Die Supportanfragen rund um Registrierung, Zugang und Passwörter gehen spürbar zurück. Der Innendienst gewinnt Zeit für Gespräche, die wirklich eine persönliche Beratung brauchen. Die Rückmeldungen aus Vertrieb und Kundschaft zeigen, dass das Portal die tägliche Arbeit erleichtert.
Für das Unternehmen selbst liegt der Mehrwert vor allem in drei Punkten:
- Geringere Kosten. Weniger Redundanz, weniger Fehler, weniger Pflegeaufwand.
- Höheres Tempo. Wiederverwendbare Bausteine verkürzen den Weg von der Idee zur fertigen Anwendung.
- Mehr Sicherheit. Berechtigungen werden an einer Stelle geprüft, nicht in jeder Anwendung neu.
Oder anders gesagt: Die Plattform ist weit mehr als technische Infrastruktur. Sie ist das strategische Rückgrat für die Digitalisierung des gesamten Geschäfts.
Was wir gelernt haben
Jedes Projekt lehrt uns etwas. Dieses hat vier Erkenntnisse bestätigt, die wir heute jedem Kunden mit auf den Weg geben.
Der beste Zeitpunkt für Architekturentscheidungen liegt vor dem Schmerz. Es ist verlockend, erst zu handeln, wenn die Probleme unübersehbar sind. Doch dann ist das Aufräumen um ein Vielfaches teurer. Unser Kunde hat früh investiert, und genau das zahlt sich heute bei jeder neuen Anwendung aus.
Ein B2B-Portal ist kein Webshop. Geschäftskunden sind Organisationen, keine Einzelpersonen. Sie brauchen Teams, Rollen und fein abgestufte Rechte. Wer das unterschätzt, baut eine Lösung, die im Alltag niemand nutzt.
Verantwortung braucht ein Gesicht auf beiden Seiten. Der Kunde stellt den Product Owner und trifft die fachlichen Entscheidungen. Das Team setzt um und betreibt die Lösung. In regelmäßigen Reviews wird gemeinsam priorisiert. So wächst die Plattform entlang echter Anforderungen und nicht entlang von Annahmen.
Eine Plattform ist kein Projekt mit Enddatum. Wer baut, sollte auch betreiben. Weil dasselbe Team Entwicklung, Pflege und Störungsbehebung verantwortet, fließen Erfahrungen aus dem Betrieb direkt in die Weiterentwicklung zurück.
Und schließlich: Wo stehen Sie?
Stellen Sie sich zwei einfache Fragen. Wie viele Logins brauchen Ihre Kunden, um mit Ihnen digital zu arbeiten? Und an wie vielen Stellen ist dieselbe Geschäftsregel in Ihren Systemen hinterlegt?
Lautet die Antwort auf beide Fragen „eine“, sind Sie gut aufgestellt. Wenn nicht, ist jetzt vielleicht der richtige Moment, das Fundament zu legen – bevor aus dem Risiko ein Problem wird.
Ein guter erster Schritt: Prüfen Sie mit unserem kurzen Fragebogen auf dmm.icodefactory.com, wo Ihr Unternehmen auf dem Weg der Digital Maturity steht. Oder sprechen Sie direkt mit uns.
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